Michael Boyle
Radio Tipping Point
Ein neues Mindset🏙️🍎
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-56:21

Ein neues Mindset🏙️🍎

Wie Vertical Farming unsere Beziehung zu Essen verändert

In der aktuellen Episode von Radio Tipping Point empfängt Mike Boyle den Gast Daniel Podmirseg vom Vertical Farming Institute. Die beiden diskutieren das Konzept des Vertical Farming und wie es unsere Art, Lebensmittel zu produzieren und zu konsumieren, revolutionieren könnte.

Bitte beachtet ihr, dass diese Aufnahme im April 2020 gemacht wurde.

Was ist Vertical Farming? 🌱

Daniel Popstar erklärt, dass es bei Vertical Farming darum geht, Lebensmittel dort zu produzieren, wo sie auch konsumiert werden: mitten in der Stadt. Das Konzept ist nicht neu; die weltweit ersten vertikalen Farmen wurden bereits in den 1960er-Jahren in Wien errichtet, zum Beispiel in Langenlois, im Donaupark und im Kurpark Oberlaa. Diese waren Pioniertaten der Firma Ruthner, scheiterten jedoch an den damals niedrigen Lebensmittelpreisen, die durch die konventionelle Landwirtschaft erzielt wurden.

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Die versteckten Kosten unseres Ernährungssystems 💸

Daniel hebt hervor, dass die Lebensmittelpreise im Supermarkt nicht die wahren Kosten widerspiegeln4. Wir zahlen viermal für unsere Lebensmittel:

  1. Im Supermarkt.

  2. Über unsere Steuergelder, die in die EU-Subventionen für die Landwirtschaft fließen.

  3. Durch die Zerstörung der Umwelt.

  4. Über die Kosten für Migrationsströme von Menschen, deren Lebensgrundlage in ihrer Heimat zerstört wurde, weil ihre Länder zu Exportländern für Lebensmittel gemacht wurden.

Er argumentiert, dass Vertical Farming, wenn man all diese versteckten Kosten mit einbezieht, die billigste Art der Lebensmittelproduktion ist.

Hoffnung aus der Krise 💡

Daniel Podmirseg sieht Krisen als Katalysatoren für Veränderungen. Er nennt das Beispiel Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Da kein Erdöl mehr zur Verfügung stand, musste das Land die konventionelle Landwirtschaft, die auf energieintensiven Pestiziden und Düngern beruht, zurückbauen. Das Ergebnis war, dass Havanna heute bis zu 98 % seines Obst- und Gemüseverbrauchs in der Stadt selbst produziert.

Vertical Farming als Motor für die Gemeinschaft 🤝

Vertical Farming kann nicht nur die Lebensmittelproduktion revolutionieren, sondern auch die soziale Struktur von Städten stärken. Daniel berichtet, dass bei Projekten wie dem "Zukunftshof" in Wien Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen – von IT-Experten bis zu Anwälten – zusammenkommen, um gemeinsam zur Transparenz in der Lebensmittelproduktion und zur Stärkung der Gemeinschaft beizutragen. Er nennt auch das inspirierende Beispiel von "Vertical Harvest" in Wyoming, das Arbeitsplätze für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen schafft.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wiederbelebung von brachliegenden Gebäuden. In Wien stehen 7-8 % aller Gebäude leer. Vertical Farming bietet eine Möglichkeit, diese Räume zu nutzen und so das Leben in den Nachbarschaften zu beleben.

Forschung und DIY-Ansätze🔬👩‍🍳

Das Vertical Farm Institute ist als Verein organisiert und lädt Interessierte ein, bei Forschungsprojekten, Meetups und Konferenzen mitzumachen. Es geht darum, das Wissen aus der Forschung schnell zu kommunizieren und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daniel ermutigt die Zuhörer auch zu DIY-Projekten. Er verweist auf Unternehmen wie "Hut und Stiel", die Pilze aus Kaffeesatz produzieren, und zeigt damit, wie Kreislaufwirtschaft auf lokaler Ebene profitabel sein kann.

Fazit

Daniel Podmirseg ist überzeugt, dass die Bewegung hin zur urbanen Lebensmittelproduktion unaufhaltsam ist. Er sieht in der Krise eine Chance, unser Verhalten zu ändern und diejenigen zu unterstützen, die sich für eine nachhaltigere und transparentere Zukunft einsetzen.

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